Warum Sie in englischen Meetings schweigen – obwohl Sie die Antwort kennen

Veröffentlicht am 15. Juni 2026 um 12:09

Sie sind in einem internationalen Meeting.

Sie haben eine Idee.

Sie wollen gerade etwas sagen…

Und dann spricht jemand anderes.

Das Gespräch geht weiter.

Ihr Moment ist vorbei.

Das kennen viele deutsche Fach- und Führungskräfte. Nicht weil ihr Englisch schlecht ist. Sondern weil internationales Kommunizieren mehr ist als Vokabular und Grammatik.

In meiner Arbeit mit Klientinnen und Klienten aus Unternehmen in Bremen und Umgebung begegnet mir dieses Muster regelmäßig. Fachlich kompetente Menschen, die in englischsprachigen Meetings leiser sind als sie es auf Deutsch wären.

Woran liegt das – und was hilft wirklich?

#1. Mein Englisch reicht eigentlich – aber ich sage trotzdem nichts. Warum?

Schweigen in Meetings ist kein Sprachproblem. Es ist ein Kommunikationsmuster.

Oft passiert Folgendes: Sie haben ein Wort nicht verstanden. Und plötzlich hängen Sie daran fest.

Haben Sie etwas Wichtiges verpasst? Sollten Sie nachfragen – oder wirkt das unprofessionell?

Im Zweifel sagen Sie lieber nichts.

Das Problem: Wer einmal geschwiegen hat, schweigt beim nächsten Mal leichter wieder. Eine kleine Hemmschwelle entsteht – und wächst mit der Zeit.

Was stattdessen hilft:

Fragen Sie nach. Aktives Nachfragen wird in internationalen Meetings nicht als Schwäche wahrgenommen – sondern als Zeichen, dass Sie zuhören und mitdenken.

Zum Beispiel so:

„Just to make sure I understood correctly – you're suggesting we change our approach with this supplier?"

Oder: „You mentioned the supplier increased costs due to energy prices. Could you briefly summarise your recommendation?"

Sie signalisieren damit: Ich bin dabei. Ich denke mit. Ich will es richtig verstehen.

 

#2. Wie beteilige ich mich, ohne unhöflich zu unterbrechen?

Viele Klientinnen und Klienten, mit denen ich arbeite, warten auf eine Einladung zum Sprechen. Unterbrechen fühlt sich unhöflich an.

Das ist kulturell verständlich – im deutschen Kommunikationsstil ist das tatsächlich so. Aber in internationalen Meetings gelten andere Regeln.

In vielen Kulturen – besonders in angelsächsischen und südeuropäischen Kontexten – ist das kurze Einhaken ein Zeichen von Interesse und Engagement. Wer wartet, bis er gefragt wird, wirkt manchmal desinteressiert.

Einfache Phrasen, die den Einstieg erleichtern:

  • Sorry to interrupt…
  • Can I just add something here?
  • If I can just come in here…
  • Sorry to jump in, but…

Diese kurzen Sätze klingen am Anfang vielleicht ungewohnt. Aber sie machen es deutlich einfacher, ins Gespräch einzusteigen – ohne unhöflich zu wirken.

Sprechen in Meetings ist eine Fähigkeit, keine Persönlichkeitseigenschaft. Und wie jede Fähigkeit lässt sie sich trainieren.

#3. Bis ich meinen Gedanken formuliert habe, ist das Gespräch schon weiter.

Sie warten auf den richtigen Moment.

Sie möchten es klar sagen. Professionell. In gutem Englisch.

Aber während Sie noch formulieren, hat das Gespräch schon die nächste Kurve genommen.

Das ist nicht das Problem fehlender Ideen. Es ist das Problem des zu langen Wartens.

Ich nenne das den „Perfekter-Moment-Trap": Sie warten so lange, bis Sie genau wissen, was Sie sagen wollen – mit den richtigen Worten, der richtigen Grammatik. Aber dieser Moment kommt selten.

Internationale Meetings funktionieren nicht nach dem Prinzip der perfekten Formulierung. Sie funktionieren nach dem Prinzip der aktiven Beteiligung.

Ein einfacher erster Schritt:

Sprechen Sie einmal pro Meeting. Nur einmal.

Stimmen Sie einer Idee zu, widersprechen Sie ihr, oder stellen Sie eine Frage. Wenn Ihnen im Gespräch etwas einfällt, notieren Sie es kurz – und bringen Sie es beim nächsten passenden Moment ein.

Zum Beispiel:

Das Thema im Meeting ist die hohe Krankenquote im Unternehmen. Ihre Idee: ein Wellbeing-Programm für Mitarbeitende.

Sie notieren es, und sagen dann:

„I'd also prioritise the issue of sick days. Some companies have had good results with employee wellbeing programmes – maybe worth considering for us as well?"

Kurz. Klar. Auf den Punkt.

Vertrauen entsteht durch Handeln – nicht umgekehrt. Je öfter Sie es versuchen, desto natürlicher fühlt es sich an.

Was Sie mitnehmen können

Sie schweigen nicht in internationalen Meetings, weil Ihr Englisch nicht gut genug ist.

Sie schweigen, weil Sie auf den richtigen Moment warten.

Die meisten Menschen haben Ideen. Sie bringen sie nur nicht rechtzeitig ein.

Mit ein paar konkreten Strategien – Einstiegssätzen, kurzen Notizen, dem Mut zum einmaligen Sprechen – verändert sich das schneller als man denkt.

 

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Wenn Sie in englischen Meetings regelmäßig leiser sind als Sie es sein möchten – obwohl Sie fachlich viel beizutragen haben – sind Sie damit nicht allein.

Genau an solchen Kommunikationssituationen arbeite ich mit Klientinnen und Klienten: praxisnah, individuell, mit Fokus auf Ihre echten beruflichen Situationen.

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